oder: das Wochenende – ein Rückblick.
War irgendwie klar. Ich kann wütend sein, ich kann nachtragend sein – aber ich kann meine Meinung nicht vertreten. Ich kann einer Person meine Meinung nicht ins Gesicht sagen und ich kann eine Person nicht ignorieren, wenn ich zu ihr eine gewisse Beziehung habe.
Da ich leider nicht bei meiner Cousine oder meiner Tante übernachten konnte, war ich gezwungen auf der Straße, im Auto – oder eben bei meinen Großeltern zu nächtigen und entschied mich letztlich für letzteres. Es war ein sehr lehrreiches Wochenende und irgenwie bin ich einigermaßen zufrieden, auch wenn ich mich zwischendurch arg gelangweilt habe, einiges über mich ergehen lassen musste und jetzt müde und daher ziemlich unzufrieden bin.
Beim letzten Post über meine Oma erwähnte ich nicht, wie sehr sie vielleicht vom Schicksal gebeutelt ist. Sie ist 1933 in Pommern (Wangeritz/Naugat) geboren und war das älteste Mädchen in der Familie, so dass sie sich viel kümmern musste. 1944 floh die Familie in den Westen und kam nach Schöninghsdorf in die Nähe von Meppen. Auch auf der Flucht musste sie sich zusammen mit ihren 2 älteren Brüdern kümmern, denn eine Flucht mit Mutter, Vater und 11 Kindern ist ja nicht leicht. Nach der Flucht wurden noch 3 weitere Kinder geboren, so dass die Sippe aus 14 Geschwistern besteht. (Ich erinnere mich an riesige Familienfeiern!) Sie hatte einen Tumor im Kopf, an dem sie operiert wurde. Man sieht es ihr durch einen hängenden Mundwinkel an. Das war schon vor meiner Geburt. Erst danach wurde sie so, wie ich es im letzten Beitrag beschrieb. Daher kennen Monique, mein Bruder und ich sie nur so, wie sie heute ist, während die älteren Cousinen auch eine bessere Zeit mit ihr erleben durften.
(Opas Familie stammt übrigens aus Oberschlesien (Glatz) und beide lernten sich erst in ihrer neuen Heimat kennen. Er zählt 6 Geschwister.)
Sie gab sich Mühe, freundlich zu sein, wirklich. Das habe ich gemerkt und geschätzt. Sie kann nicht mehr ohne ihren Schiebewagen gehen, kann nicht allein die Füüße hochlegen, Tischdecken, Brot schmieren, alles fällt ihr schwer. Mir fiel auch auf, dass mein Großvater ihr viel zu viel aus der Hand nimmt, wenn er merkt, dass es zu lange dauert. Sie muss mehr selbst machen, damit sie nciht alles verlernt. Ja selbst das Sprechen fällt ihr schwer, sie muss sich unheimlich konzentrieren, um zusammenhängende Sätze ohne allzu große Pausen zu sagen. Auch hier nahm er ihr öfter das Wort aus dem Mund, wenn es ihm zu lange dauerte.
Im Hause meiner Cousine war heute Taufe des 2. Kindes. Eingeladen waren ich und meine Mutter (wie auch schon beim 1. Kind) nicht. Nachdem bekannt war, dass wir dieses Wochenende dorthin kommen, wurde uns zwar angeboten, auch zum Kaffee zu kommen, aber so richtig eingeladen waren wir nicht. Und daher war es mir auch recht, dass Mum gerne nach Hause wollte. Irgendwie fühl ich mich auch ein bisschen auf den Schlips getreten, weil ich nicht gebeten wurde, Taufpatin zu werden. Stattdessen wird der Opa zweiter Taufpate. Naja. Weiß ich, woran ich bin, ja!
Es gab aber auch allerlei lustiges!
so schauten wir „Stadt gegen Land“ auf NDR wo eine Studenten-WG auf Kiel gegen Leute aus Dornum antrat und rateten fröhlich mit bzw sangen in der Karaoke-Runde mit (also wir = ich und meine Mum). Vorher konnte man in einer anderen Sendung aus 3 Geschichten eine erlogene rausfinden. Schade, dass es keine „Akademie für Luftinstrumente“ gibt, das sah echt verdammt lustig aus! und es lief „die landärztin“. Kitsch pur und von Mum ordentlich gespoilert.
heute verbrachten wir den ganzen vormittag damit, alte familienfilme auf den 90ern zu schauen. Unter anderem meinen Bruder und mich beim Schneemann-Bauen am 24.02.1994. süüüüüüüüß kann ich da nur rufen. Ich war absolut vertieft in die Schneemänner, 3 standen bereits und der 4. war am entstehen. Der Schneep pappte wunderbar, wurde systematisch gerollt und dabei immer wieder festgerieben. Meistens sieht man mich auf dem Video nur von hinten. In dem moment wo ich in richtung kamera laufe und man mich von vorn sieht, schaltet opa sie ab =(. Dafür sieht man meinen Bruder nur richtung kamera grabschen und „mi au ma“ rufen. absolut niedlich (er ist 2 jahre jünger als ich). Was das schneemann-bauen angeht, war er offensichtlich absolut unbegabt und auch absolut uninteressiert aber die technik der kamera faszinierte ihn ganz augenscheinlich. zu hause bekam er als erstes ein „Mi-Au“ zu hören =).
Nun kann jeder selbst entscheiden, ob sich das wochenende für mich gelohnt hat oder nicht. Ich jedenfalls bin da noch sehr unschlüssig und muss die eindrücke erstmal einigermaßen verarbeiten.