Ich hab in meinem Urlaub in der letzten Woche nicht nur auf der faulen Haut gelegen, sondern war am Montag im Stadtarchiv in Hannover.
Erstmal muss ich sagen, dass es da im Archiv ganz anders ist als bei uns. Einerseits besser, weil keine Gebühren für Familienforschung, andererseits schlechter, da feste Aushebezeiten und diese auch NUR Montags und Dienstags! Ich hab meinen Besuch also so getimt, dass ich etwa eine Stunde vor der Aushebezeit dort war und das war ziemlich gut. So konnte ich in den Registern die richtigen Urkunden ermitteln und diese schließlich rechtzeitig bestellen.
Wieso aber Stadtarchiv Hannover? Ausgangspunkt war das Stammbuch meiner Großeltern väterlicherseits, also die Otto-Linie. Aus diesem Stammbuch hatte ich die Namen meiner Urgroßeltern Otto. Und mit Hilfe des Internets (www.genealogy.net) stieß ich in einem Online-Familien-Buch auf die Angabe, dass mein Urgroßvater aus Hannover stammen solle. Das galt es also zu überprüfen.
Und was soll ich sagen: Natürlich stimmte es. Ich kontrollierte auch weitere Angaben, die ich noch auf familysearch gesammelt habe. Mein Urgroßvater hatte also 4 Geschwister, die ich auch alle finden konnte. Auf gut Glück schaute ich dann kurz vor der Geburt des ersten Kindes in das alphabetische Register der Heiratsregister von Hannover-Linden und fand im Jahr 1890 auch die Heirat meiner Ururgroßeltern.
Besonders erfreulich: Meine Ururgroßmutter Sophie Lenschow stammt aus Celle! Und ihr Vater stammte zwar von wo ganz anders, aber war Schuhmachermeister. Heute schaute ich direkt in der Pause in das Bürgerbuch und konnte finden, dass er im Jahr 1862 hier das Bürgerrecht erwarb (dafür bezahlte er 30 Courant)! Jetzt fühle ich mich als waschechte Cellerin!
Ich muss sagen, mich bestärken diese Erfolge, weiterzumachen. Mein Opa ist zwar nun schon seit über 3 Jahren tot, aber sein Zwillingsbruder (87jährig) wird sich demnächst riesig freuen
Echt krass, wie viel du in so kurzer Zeit rausgefunden hast. Ich hätte gedacht, man müsste sich da Tagelang durch Aktenberge wühlen.
Ich hab mir auch schon ewig vorgenommen, mal nach meinen Ahnen zu recherchieren. Aber irgendwie bin ich noch nie dazu gekommen.
Vielleicht diesen Sommer.
Es wäre sogar noch schneller gegangen, wenn nicht trotz der relativ kurzen Entfernung von Hannover ein Ausflug dahin lange im Vorraus geplant werden müsste. Ich brauch ja Urlaub und die Zugfahrt ist auch nicht grade günstig. Tagelang durch Aktenberge wühlen muss man sich meist nicht, die Urkunden kriegt man eigentlich einfach und schnell. Die alphabetischen Verzeichnisse helfen dabei gut. Für die meisten Personen findet man in den Archiven darüber hinaus nichts, außer es handelt sich um eine wichtige Person, die irgendwo namentlich genannt wird (sei es in Vereinen, Innungen oder ähnlichem). Und dass ich schnell an meine Ergebnisse in Celle kam, nachdem mich der Besuch in Hannover quasi zurückführte, hängt halt auch damit zusammen, dass ich hier arbeite und routiniert an die Sache herangehe. Mein großer Vorteil ist auch, dass ich die deutsche Schreibschrift nahezu flüssig lesen kann.
Also die reinen Daten aus den Urkunden bekommt man schnell, es kann allerdings relativ kostenintensiv werden, wenn ein Archiv Gebühren nimmt und man nicht die Möglichkeit hat, persönlich ins Archiv zu gehen. Ich drücke dir die Daumen!
Ich bewundere dich für deine Biographiearbeit. Es ist toll zu lesen, dass du immer mehr erfährst und dich darüber auch freuen kannst. Durch deine Ausbildung bist du aber auch gewandter in diesen Dingen vermutlich, auch wenn ich ebenfalls die altdeutsche Schrift relativ gut lesen kann. Anstrengend ist es allemal.
Viel Erfolg auch weiterhin und viel Spaß beim Besuch deines Großonkels.
Mir macht es auch sehr viel Spaß und ich interessiere mich dafür. Mein Bruder ist daran nicht so interessiert und das ist ja auch ok so.
Und du hast Recht, dass ich vermutlich gewandter bin. Ich weiß, welche Möglichkeiten es bei uns gibt und dass das überall unterschiedlich ist. Ich weiß, wie ich mich am sinnvollsten auf einen Archivbesuch vorbereite. Allerdings ist es ein komisches Gefühl, in anderen Archiven zu sein und nicht so einfach an s Regal gehen zu können, wie ich es bei uns im Archiv tue, wenn ich eine Anfrage bearbeite.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass jungen Leuten in meinem Alter die altdeutsche Schrift sehr schwer fällt und dass es auch Menschen im mittleren Alter gibt, die die Schrift einfach nicht lesen können. Oder im Falle meines Großonkels: dieser kann gar nicht richtig lesen, weil er es nie richtig lernte und ja auch schon mit 15 in den Krieg musste.
Ja, die Schrift ist wirklich nicht einfach zu lesen.
Ich weiß von meinem ältesten Onkel, dass er damals in der Schule arge Probleme hatte als ein neuer junger Lehrer an die Dorfschule kam. Der bestand darauf hochdeutsch zu sprechen und mein Onkel konnte nur Platt. War auf den Höfen ja so. Mit ach und Krach hat er es dann geschafft.
So etwas hab ich auch schon vom Land gehört.
Schade, heute können nur noch so wenige Leute Platt… Und ich würd’s echt gerne können!